
Kirche
Utzenstorf, Einige Daten |
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- 1275 Erstmalige Erwähnung
- 1457 Turmbau
- 1522 Erneuerungsarbeiten
- 1727 Renovation Kircheninneres
- 1746 Renovationen
- 1872 Renovationen
- 1925 Turmerhöhung
- 1987 Innenrestaurierung
- 1996 Fassadenrenovation
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| Gotthelf und die Kirche Utzenstorf |
Die Gedenktafel bei der Kirche erinnert an den Mathematiker
Jakob Steiner (1796 - 1863). Er war der Jugendfreund von Albert Bitzius (Jeremias
Gotthelf), wurde Schüler Pestalozzis, studierte in Heidelberg und wirkte später als
Professor in Berlin.
Als Hauslehrer in gebildeten Kreisen machte er dort Gotthelfs Werke bekannt und er beriet
den Berliner Verleger Springer bei den Buchillustrationen.
In der Kirche predigte der junge Vikar Albert Bitzius; besondere Berühmtheit erlangte
seine Predigt zum Bau eines neuen Schulhauses. |
Die gotische
Schiffserweiterung
In einer dritten Bauphase erweiterte man das Schiff auf seine heutige Höhe und westliche Ausdehnung. Damals entstanden die beiden Fensterpaare im Westen und im Osten. Haupteingang war ein spitzbogiges Westportal an der Stelle des heutigen mit einem grossen Rundfenster darüber.
Dieser Umbau datiert in die erste Hälfte des 15.Jahrhunderts, wahrscheinlich in die Zeit wischen 1418 und 1457. Nach dem schmählichen Ende der überschuldeten Grafen von Neu-Kiburg wogte ein langwieriger Streit zwischen kiburgischen Gläubigern und ehemaligen Ministerialen um die Herrschaft Landshut, der erst 1418 seinen Abschluss fand. Wahrscheinlich war Rudolf von
Ringoltingen, der neue Herr von Landshut, Bauherr dieser Phase. Er war ein Vertreter der Aufsteigerfamilie
Zigerli, die als Bauern und Händler in der Stadt Bern reich geworden war und durch Einheiraten in vornehme Familien, Kauf von Adelsherrschaften, sowie Sammeln von Ämtern und Ehren das fehlende Sozialprestige zu erlangen suchte.
Der Glockenturm von Thüring von Ringoltingen
Der ursprünglich nur viergeschossige Glockenturm besteht aus sorgfältig geschnittenen Tuffsteinquadern. Er wurde im Jahr 1457 als Stiftung von Thüring von Ringoltingen und seiner Gattin errichtet, ein eher unüblicher Vorgang, stiftete man zu dieser Zeit doch eher einen Altar oder eine Kapelle. Eine solche bestand aber vermutlich im Erdgeschoss des Turmes, das sich mit einer grossen Arkade gegen den Chor hin öffnete, vielleicht als Grabkapelle für seinen Vater Rudolf.

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Die
Baugeschichte der Kirche St.Martin in Utzenstorf |
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Die Kirche Utzenstorf wurde 1987 und 1996 umfassend restauriert. Parallel dazu erfolgten systematische Untersuchungen an den Mauern durch den Archäologischen Dienst des Kantons Bern. Auf Ausgrabungen konnte verzichtet werden, da die neue Bodenheizung den Bestand nicht antastete.
Die älteste erhaltene Kirche
In der Nordwand der heutigen Kirche stecken die Reste des ersten fassbaren Gotteshauses, ein Schiff von etwa 14 m Länge, 9 m Breite und rund 4,5 m Höhe bis zur Mauerkrone. Daran schloss ein Chor an, der vielleicht die Form einer halbrunden Apsis hatte. Wiederverwendetes Abbruchmaterial in der Kirchenmauer zeigt, dass dieser Sakralbau kaum der erste am Platz war: Es gab wohl einen Vorgängerbau, der abbrannte und dessen Steine für den Bau des Nachfolgers verwendet wurde.
Keine Dokumente berichten darüber, wann diese beiden ersten Kirchen errichtet wurden. Wahrscheinlich entstand das erste Gotteshaus erst nach 1000, da der im Jahr 949 erstmals erwähnte hochburgundische Königshof Utzenstorf damals Teil der Pfarrei Kirchberg war. Die zweite Kirche stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert.
Die spätromanische oder frühgotische Kirche
In einer zweiten Bauphase wurde das Kirchenschiff erweitert; es erreichte dabei seine heutige Breite. Im Osten ersetzte ein eingezogenes, im Grundriss rechteckiges Altarhaus den älteren Chor. Erhellt wurde das Schiff durch zwei kleine, hoch sitzende Fenster im Westen und zwei grosse, vielleicht spitzbogige Öffnungen ganz im Osten. Sie dürften eine Art Vorchorzone mit je einem Seitenaltar belichtet haben.
Der Umbau gehört in die Epoche der Frühgotik. Damals war Utzenstorf ein kiburgisches Amt, das seit 1273 in den Händen des Grafen Eberhard von Laufenburg, dem Begründer des Hauses Neu-Kiburg war. Es ist möglich, dass er als neuer Kirchenherr den Umbau veranlasste. Die erstmalige schriftliche Erwähnung der Kirche im Jahr 1275 dürfte sich auf diesen Bau beziehen.
Rekonstruktionsskizze mit dem möglichen Zustand der Kirche um 1525, nach Abschluss des Chorneubaus.
Das Schiff war mit einem Tonplattenboden versehen; den oberen Abschluss bildete eine heute nur noch als Kopie von 1938 erhaltene Bretterdecke mit Flachschnitzereien, während es an den Wänden möglicherweise Malereien gab. Der östlichste Bereich des Schiffes war durch eine Stufe vom Laienbereich getrennt und bildete eine Vorchorzone, in dem sich zwei Seitenaltäre befanden. Diese Zone war durch den profilierten und bemalten Triumphbogen vom eigentlichen Sanktuarium getrennt, eine weitere Stufe, die sonst üblich war, fehlt in Utzenstorf. Die Chorzone war vermutlich ebenfalls mit einem Tonplattenboden versehen. Die Bretterdecke ist ebenfalls eine moderne Kopie der originalen. In der Mitte des Raumes befand sich auf einem erhöhten Plateau der Hochaltar, der wahrscheinlich mit einem hoch aufragenden, hölzernen Aufbau versehen war. In der Nordwand öffnete sich eine grosse Arkade, die ins Erdgeschoss des Turmes führte. Vermutlich bestand dort eine Kapelle.
Ebenfalls in der Nordwand befand sich ein Tabernakel, eine Art Wandschrank, der mit einem
Gittertörchen verschliessbar war und in dem die Sakramente aufbewahrt wurden. Er war mit sandsteinernem, hoch aufragendem gotischem Stabwerk eingerahmt und bekrönt.
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Quelle |
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Dieser Bericht stammt von Armand
Baeriswyl, Abbildungen Eliane Schranz und Max Stöckli, vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern. |
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