Utzenstorf, reformierte Pfarrkirche. Bauuntersuchung und Teilgrabung anlässlich der Innenrestaurierung 1987
       

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Ansicht der Nordseite der Kirche mit den verschiedenen Bauphasen.
Erkennbar sind die Nordmauern der drei ältesten Kirchenschiffe (romanischer Bau I, frühgotischer Bau II und Bau III aus dem 14. /15. Jahrhundert), der Turm von 1457 und der Chor von 1522. Die Aufstockung des Turmes erfolgte im Jahr 1925. 

Drei Werkstücke des Triumphbogens von 1522. 
Zwei der sorgfältig behauenen Werkstücke aus Tuffstein stammen vom unteren, vertikalen Teil der Arkade, das dritte vom Bogen. Die Stücke erlauben eine Rekonstruktion des Bogens: er war nicht nur beiderseits abgeschrägt, sondern die Schrägung je mit einer halbrunden Kehlung versehen. Der Bogen war bunt; abwechslungs- weise waren die Quader rot, blau und grün bemalt; die Farbfelder wurden beiderseits mit einem begleitenden Fries aus Bollen und Sternen in einem Muster aus Dreiecklinien abgeschlossen. Für die äusserst sorgfältig ausgeführte Bemalung wurden wertvolle und entsprechend kostspielige Pigmente aus Halbedelstein wie Azurit und Malachit verwendet. Einzig der Sockel war grau gestrichen und mit weissen Strichen versehen, die wie Mörtelfugen eines Sandsteinquader- mauerwerks wirken sollten. Die darüber liegenden Farbreste mit weissen und grauen Linien und Flächen stammen von einer Ausmalung der Kirche im 17. Jahrhundert. Sie können mit den noch bestehenden Malereien der nahen Kirche von Bätterkinden verglichen werden
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Spätere Umbauten 
1729 wurde der Triumphbogen abgebrochen. Auch aus dieser Zeit stammen die beiden seitlichen Eingangsportale. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts fanden verschiedene kleinere Veränderungen statt. So entstand zwischen 1820 und 1860 das mittlere Schifffensterpaar. In den Jahren 1938/39 wurde eine Renovierung des Kirchenäusseren vorgenommen. Dabei entstanden das heutige neogotische Westportal und die Heimatstil-Vorhallen im Westen und Norden. Der gesamte Verputz der Kirche wurde abgeschlagen und durch einen dicken Zementverputz ersetzt, den man weiss strich
 

Die Baugeschichte der Kirche St.Martin in Utzenstorf (Fortsetzung)

    


Der Polygonalchor von Niklaus von Diessbach 
Thüring von Ringoltingen hatte die Herrschaft Landshut im Jahr 1479 an seinen Schwiegersohn Ludwig von Diessbach verkauft. Dieser gehörte zur Führungsspitze Berns im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Unglückliche finanzielle Spekulationen zwangen ihn 1514, die Herrschaft an Bern zu veräussern, die dort eine Landvogtei einrichtete. 
Ludwigs Sohn Niklaus war päpstlicher Pronotator und Pfarrherr von Utzenstorf. 

  

Der Triumphbogen und das Innere der Kirche um 1525

Die grosse Bogenwand, welche heute Schiff und Chor trennt, stammt aus der Renovierung von 1938. Den ursprünglichen Triumphbogen aus der Bauzeit des Chors empfand man als katholisches Überbleibsel und störend für den reformierten Gottesdienst und brach ihn 1729 anlässlich eines grösseren Umbaus durch den Berner Werkmeister Niklaus Schildknecht ab. Seine Überreste wurden in der noch heute bestehenden Aussentreppe in den Turm wiederverwendet. Dort wurden sie anlässlich der letzten Restaurierung wiederentdeckt und man entschloss sich, einige Exemplare zu bergen und auszustellen.

  

Er stiftete im Jahr 1522 den noch heute prägenden Polygonalchor, eine der grössten spätgotischen Anlagen dieser Art in der bernischen Landschaft. Er wirkte wie aus grossen Tuffsteinquadern erbaut - wahrscheinlich nach dem Vorbild des Kirchturm-Mauerwerks - bestand aber aus kleinteiligem Abbruchmaterial des Vorgängerchors, welches von einem tufffarbenen und die Tuffstruktur imitierenden Verputz überzogen wurde. 
Zusätzlich zusammengebunden wurde dieses Mauerwerk durch einen in den noch feuchten Mörtel geritzten, dann mit roter Farbe aufgemalten Fugenstrich. Weil die Kirche mit dem neuen Chor nach dem Willen des Stifters wie aus einem Guss wirken sollte, wurden die bestehenden Bauteile der Kirche in der gleichen Art wie der Chor mit einem deckenden, Tuff imitierenden Verputz versehen und dieser mit roter Fugenstrichmalerei überzogen. Zum gleichen Zweck wurde in Chor und Schiff eine mit Flachschnitzerei verzierte Bretterdecke eingezogen. 


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