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Filme prägen das Bild Gotthelfs

Fünf Romane Gotthelfs verfilmt der Burgdorfer Franz Schnyder in den 1950er- und 1960er-Jahren. Sie prägen das Bild von Albert Bitzius und zeigen ihn als «bodenständigen Bauerndichter» – was Gotthelf nur teilweise gerecht wird, aber zu dessen Popularität beiträgt.
 
1954, anlässlich des 100. Todestages des Dichters, entsteht unter der Regie von Franz Schnyder der erste Gotthelf-Film, die weiteren folgen in den nächsten zehn Jahren. Sie alle gehören zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen und werden auch heute immer wieder am Schweizer Fernsehen gezeigt. Sie sind zudem auf DVD erhältlich.    

Franz Schnyder beim Dreh Geld und Geist

Schnyders Verfilmungen prägen stark das Bild Gotthelf in der Öffentlichkeit: Viele kennen das Werk von Albert Bitzius nur vom Kino oder vom Fernsehen – ohne je einen Roman gelesen zu haben.    

So entsteht das einseitige Bild eines Mundart-Schriftstellers, der in Berndeutsch das Hohelied des Emmentaler Bauern singt – was jedoch den Tiefen und ewigen Wahrheiten des Werks nicht gerecht wird. Mehr zur Bedeutung und zur Aufnahme der Filme finden Sie auf der Seite mit Franz Schnyders Biografie.

1954 Uli der Knecht

Verleihtitel in Deutschland auch «Junge Jahre der Liebe»

Regie: Franz Schnyder
Drehbuch: Richard Schweizer, Werner Düggelin und Franz Schnyder
Produktion: Oscar Düby, Max Dora, Gloriafilm
Kamera: Emil Berna
Schnitt Hans-Heinrich Egger, Hermann Haller
Schwarz/weiss

Hannes Schmidhauser, Liselotte Pulver / Hannes Schmidhauser, Heinrich Gretler

Besetzung
Hannes Schmidhauser: Uli
Liselotte Pulver: Vreneli
Heinrich Gretler: Johannes, Bodenbauer
Gertrud Jauch: Bodenbäuerin
Emil Hegetschweiler: Joggeli, Glunggenbauer
Hedda Koppé: Glunggenbäuerin
Marianne Matti: Elisi
Erwin Kohlund: Johannes
Stephanie Glaser: Tinette
Alfred Rasser: Baumwollhändler
Elisabeth Schnell: Annelisi
Linda Geiser: Uersi
Max Haufler: Karrer

Zusammenfassung
Uli wird von seinem Meister, dem Bodenbauern, ermahnt, weniger zu trinken und von Annelisi, die es mit jedem treibe, abzulassen. Vom Sohn des Bauern auf ein Hornusserfest mitgenommen, muss Uli, einziger Knecht unter den Teilnehmern, die Zeche der Verliererpartei bezahlen.
Die reiche Stini und das sinnliche Ursi, zwei Mägde auf dem Hof, balgen sich am Boden um die Zuneigung Ulis. Zum Entsetzen seiner Frau lässt der Bodenbauer Uli zum Glunggenbauer Joggeli ziehen.
Unfreundlicher Empfang auf der Glungge: nur die Glunggenbäuerin und das uneheliche Vreneli sind ihm zugetan. Uli weiss sich aber gegen die auflüpferische Knechte durchzusetzen. Spaziergang mit Vreneli über Land. Elisi, die Bauerntochter, verwirrt Uli mit ihrem Geld und ihrer Leidenschaft. Ihr Bruder Johannes und seine Frau Trinette widersetzen sich der bevorstehenden Heirat mit einem mittellosen Knecht. Bei einem Kuraufenthalt lernt Elisi einen Basler Baumwollhändler kennen, der beim Glunggenbauern bald erfolgreich um Elisis Hand anhält. Uli will die Glungge verlassen. Auf Anraten des Bodenbauern und der Glunggenbäuerin werden es Uli und Vreneli miteinander probieren. Joggeli und seine Frau werden ihnen dabei den Hof zur Pacht übergeben. Heirat von Uli und Vreneli. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1955 Uli der Pächter    

Verleihtitel in Deutschland auch «... und ewig ruft die Heimat»

Regie: Franz Schnyder
Drehbuch. Richard Schweizer, Werner Düggelin
Produktion Oscar Düby, Präsens Film
Musik: Robert Blum
Kamera: Emil Berna
Schnitt Hans-Heinrich Egger, Hermann Haller
Schwarz/weiss

Hannes Schmidhauser, Liselotte Pulver / Liselotte Pulver, Hedda Koppé, Emil Hegetschweiler

Besetzung
Hannes Schmidhauser: Uli
Liselotte Pulver: Vreneli
Emil Hegetschweiler: Joggeli, Glunggenbauer
Hedda Koppé: Glunggenbäuerin
Leopold Biberti: Hagelhans
Marianne Matti: Elisi
Alfred Rasser: Baumwollhändler
Erwin Kohlund: Johannes
Stephanie Glaser: Tinette
Peter Arens: Arzt
Fredy Scheim: Müller
Hans Gaugler: Mannli

Zusammenfassung
Zwei Jahre nach ihrer Heirat haben Vreneli und Uli eine kleine Tochter. Joggeli, der Eigentümer, bewohnt mit seiner Frau das Stöckli. Um den Pachtzins bezahlen zu können, muss Uli das Korn zu einem Schleuderpreis verkaufen und wird dabei vom Müller, einem unehrlichen Freund, betrogen. Einem Rate Joggelis folgend, aber gegen den Widerstand Vrenelis, entlässt Uli die teuren, guten Arbeitskräfte und stellt billigere ein. Mit einer Intrige, in die er Uli einspannt, versucht sich Joggeli der Geldforderungen seines Sohnes Johannes und seines Schwiegersohnes zu entziehen. Auf Drängen der Glunggenbäuerin, die wenig später stirbt, bittet Uli den unzugänglichen Hagelhans, die Patenschaft für sein zweites Kind, einen Buben zu übernehmen. Hagelhans sagt zu, bleibt aber der Tauffeier fern. Uli übervorteilt einen armen Mann in einen Kuhhandel. Im darauf folgenden Prozess wird er freigesprochen, doch als er auf dem Heimweg ist, kommt ein Gewitter auf und zerstört die ganze Ernte. Uli wird krank und kann nicht mehr zinsen. Joggelis Schwiegersohn lässt den kurzsichtigen Alten einen Wechsel unterzeichnen und setzt sich mit dem Geld nach Amerika ab. Uli wird wieder gesund und entschädigt mit seinen letzten Ersparnissen seinen Prozessgegner, das arme Mannli. Joggeli erliegt, bevor er durch einen Meineid beschwört, den Wechsel für seinen Tochtermann nicht unterzeichnet zu haben, einem Schlaganfall. Die Glungge wird versteigert. Hagelhans kauft den Hof und gibt sich als Vrenelis Vater zu erkennen. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1958 Die Käserei in der Vehfreude    

Verleihtitel in Deutschland auch «Oh, diese Weiber», «Wildwest im Emmental». in Österreich «Annelie vom Berghof» (!)

Regie: Franz Schnyder
Drehbuch: Richard Schweizer, Franz Schnyder
Produktion: Franz Schnyder, Neue Film
Musik: Robert Blum    

Die Käserei in der Vehfreude

Besetzung
Annemarie Düringer: Änneli
Franz Matter: Felix
Heinrich Gretler: Ammann
Hedda Koppé: Ammännin
Margrit Winter: Bethi
Erwin Kohlund: Sepp
Ruedi Walter: Peterli
Margrit Rainer: Eisi
Max Haufler: Eglihannes
Emil Hegetschweiler: Pfarrer
Willy Fueter: Käsefürst
Christian Kohlund: Schüler

Zusammenfassung
Die Vehfreudiger bauen statt eines neuen Schulhauses eine Käserei, mit der sie den Anschluss an die Moderne suchen - doch sie bringt ihnen keinen Segen: Hass und Missgunst machen sich breit und entladen sich in wilden Raufereien, an denen sich auch die Frauen beteiligen.
Zum Entsetzen des Gemeindeammanns beschliessen die Männer, die Abmachung mit dem Käsehändler zu brechen und den Käse, wie es der schlaue Eglihannes empfiehlt, für einen Mehrpreis dem «Käsefürsten» zu überlassen. Dieser weist dann aber einen Grossteil der mit Brunnen- und Regenwasser gestreckten Produkte zurück, und die Bauern müssen ihren Käse selber essen.
Felix, der Sohn des Ammanns, besiegt Eglihannes in einem Wagenrennen und demütigt den kleinen Gauner auch in einem Zweikampf in der Wirtsstube. Darauf lässt Eglihannes anonyme Briefe verbreiten, gemäss denen Rösi, der Felix versprochen ist, die aber nichts mehr von ihm wissen will, bereits im fünften Monat schwanger sei. Unruhe ob dieser Nachricht bei den Eltern von Felix und bei Aenneli, die als Verdingkind bei ihrer Schwester und deren Mann aufwächst, und die in Felix verliebt ist - wie auch umgekehrt. Rechtzeitig zum 60. Geburtstag des Ammans wendet sich alles zum Guten: Während der Predigt spricht der eingenickte Felix laut und deutlich das (berühmt gewordene) «Aenneli, gib mir es Müntschi!» vor sich hin. Das Mädchen trifft auf dem Hof des Ammanns ein, wo ebn die Blasmusik zu spielen anfängt. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1960 Anne Bäbi Jowäger – 1. Teil: Wie Jakobli zu einer Frau kommt

Anne Bäbi Jowäger

Regie: Franz Schnyder
Produktion: Franz Schnyder, Neue Film
Drehbuch: Franz Schnyder, Richard Schweizer
Kamera: Konstantin Tschet
Schnitt: Hermann Haller, Franziska Schuh
Musik: Robert Blum
Schwarz/weiss
 
Besetzung
Margrit Winter: Anne Bäbi Jowäger 
Ruedi Walter: Hansli Jowäger  
Margrit Rainer: Mädi 
Peter Brogle: Jakobli Jowäger 
Kathrin Schmid: Meyeli 
Annemarie Düringer: Sophie 
Peter Arens: Dr. Ruedi 
Heinrich Gretler: Zyberlihoger-Joggi 
Max Haufler: Vehhansli, der Pfuscher 
Ellen Widmann: Bäuerin vom Zyberlihoger 
Linda Geiser: Lisi 
Erwin Kohlund: Pfarrer 
Fred Tanner: Knecht Sami 
Anneliese Egger: Maurer-Vreni 
Franz Matter: Vikar 
Hedda Koppé: Hebamme 
Valerie Steinmann: Schnupfseckli

Zusammenfassung
Jakobli, der kränkelnde Sohn der Jowägers, wird von seiner Mutter Anne Bäbi ständig umsorgt. Um seine Krankheit, einen pockenartigen Ausschlag zu heilen, holt Anne Bäbi Rat bei Quacksalbern und Kurpfuschern, vor allem bei Vehhansli. Mädi, die Magd, kümmert sich ebenfalls um Jakobli und macht sich Hoffnungen auf den Hoferben.
Schnupfseckli, eine Wahrsagerin, erklärt, das Jakobli «weiben» müsse, um zu genesen; seine Zukünftige werde etwas mit Zwiebeln zu tun haben. Anne Bäbi bezieht die Aussage auf Lisi vom   Zyberlihoger und sieht in ihr die kommende Schwiegertochter. Doch die Zyberlibauern haben es lediglich auf das Geld der Jowägers abgesehen. Auf dem Markt in Solothurn trifft Jakobli das scheue Meyeli, das auf der Kirchtreppe Zwiebeln verkauft. Mit Hilfe des Pfarrers setzt er sich durch, dass das Mädchen als seine Frau auf den Jowägerhof kommt. Heirat der beiden. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1961 Anne Bäbi Jowäger – 2. Teil: Jakobli und Meyeli

Anne Bäbi Jowäger / 2

Zusammenfassung
Das Verhältnis zwischen Anne Bäbi und Meyeli bessert sich rasch, nachdem Meyeli einen Buben, Köbeli, zur Welt bringt. Als aber dieses Kind erkrankt, gibt ihm Anne Bäbi das Hausmittel des Vehhansli, anstatt es zum Arzt zu schicken. Köbeli stirbt. Der übereifrige Vikar macht Anne Bäbi Vorwürfe, sich mehr an das Kind als an Gott geklammert zu haben. In ihrer Verzweiflung versucht Anne Bäbi zweimal, sich das Leben zu nehmen. Sie zieht sich ganz ins Stöckli zurück. Der Arzt, zusammen mit dem Pfarrer der schärfste Gegner der Kurpfuscherei, verliert einen Prozess gegen Vehhansli. Nach dem Ausbruch der Diphtherie-Epidemie macht sich der Vikar aus dem Staub. Vehhansli sucht in dunkler Nacht für sein eigenes Kind Hilfe beim Arzt. Dieser wird für Meyeli, die ihr zweites Kind erwartet, der beste Ratgeber. Es stirbt aber im Kampf gegen die Diphtherie, womit seine Liebe zur Pfarrerstochter unerfüllt bleibt. Anne Bäbi löst sich aus ihrer Isolation. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1962 1. Gesamtfassung Anne Bäbi Jowäger

1964 Geld und Geist

Der einzige Gotthelf-Film in Farbe



Geld und Geist

Regie: Franz Schnyder
Produktion: Franz Schnyder, Neue Film
Drehbuch: Richard Schweizer und Franz Schnyder
Musik: Robert Blum
Kamera: Konstantin Tschet
In Farbe
 
Besetzung
Margrit Winter: Änneli
Erwin Kohlund: Christen
Peter Arens: Resli
Fritz Nydegger: Christeli
Verena Hallau: Annelisi
Elisabeth Berger: Anne-Mareili
Max Haufler: Dorngrütbauer
Margrit Rainer: Dorngrütbäuerin
Ruedi Walter: Kellerjoggi
Werner Balmer: Hans-Ueli
Mathias Wieman: Pfarrer

Zusammenfassung
Auf dem Liebiwylhof halten der Bauer Christen, seine Frau Änneli, ihre beiden Söhne Resli und Christeli sowie die Tochter Annelisi treu zusammen. Christen lässt sich vom Gemeindeschreiber überreden, mit den Mündelgeldern, die er verwaltet, zu spekulieren. Das Geld geht verloren, und Christen muss für den Schaden, 5'000 Franken, aufkommen. Änneli zürnt ihrem Mann, und dieser wirf ihr fortan jede Zuwendung an die Armen als Verschwendung vor. Die Eheleute leben sich immer mehr auseinander. Sie quälen sich und die ganze Familie. Eine Predigt an Pfingsten leitet die Versöhnung ein. Am Pfingsttag begegnet Resli bei einem Brand Anne-Mareili, der Tochter des Dorngrütbauern. Die beiden verlieben sich. Der Dorngrütbauer will seine Tochter aber an den reichen, verwitweten Kleinjoggi verschachern und stellt unerfüllbare Bedingungen für eine Heirat der jungen Leute. Dagegen gibt er Kleinjoggi gegen dessen Testament seine Einwilligung. Anne-Mareili weigert sich, den Alten zu heiraten und flüchtet auf den Heuboden. Bei der Verfolgung stürzt der Dorngrütbauer zu Tode. Änneli ist schwerkrank. Christeli holt Anne-Mareili auf den Liebiwylhof, damit sie an seiner Mutter Stelle wirtschafte. Änneli erlebt noch, wie Resli und Anne-Mareili sich finden, bevor sie unter Anteilnahme des ganzen Dorfes stirbt. (Zusammenfassung aus Felix Aeppli, «Der  Schweizer Film 1929–1964»)

1978 2. Gesamtfassung Anne Bäbi Jowäger


Autor: Werner Eichenberger; Zusammenfassungen aus Felix Aeppli, «Der Schweizer Film 1929-1964», Band 2, Limmat Verlag Zürich; übrige Quellen: Wikipedia; Filmlexikon zweitausendundeins.de; Website Schweizer Fernsehen; die Rechte an den Bildern liegen beim Schweizer Fernsehen

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