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Engagierter Kämpfer für eine bessere Schule

Albert Bitzius engagiert sich Zeit seines Lebens unermüdlich für den Aufbau und die Verbesserung des bernischen Schulwesens. Bereits von Jugendzeit an zeigt er ein lebhaftes Interesse an pädagogischen Fragen. Während seines Studiums beschreibt er seine künftige Tätigkeit als Pfarrer mit folgenden Worten: «Bildung des Menschen in der mir anvertrauten Gemeinde wird meine erste und einzige Pflicht sein.» Mit seiner fordernden Art und seinem unerbittlichen Kampf gerät er in späteren Jahren auch immer wieder in Konflikt mit dem Erziehungsdepartement, den lokalen Behörden und Autoritäten der Schulpolitik.    

Im Jahr 1818, im Alter von 21 Jahren, übernimmt er für eineinhalb Jahre eine Stellvertretung an der sogenannten «Grünen Schule», dem Progymnasium in Bern. Die Tätigkeit in der Schulstube, die damit verbundenen Anforderungen und die Bereicherung, die für die Lehrperson aus ihren Aufgaben resultiert, faszinieren den Studenten. «Ich sehe alle Tag, dass mir vieles fehlt, vieles ich falsch angreife...», schreibt er bescheiden und fügt hinzu: «Nie hätte ich geglaubt, dass das Unterrichtgeben so nützlich wäre, da lernt man erst, indem man zum Erklären genötigt ist, über Dinge Rechenschaft zu geben, von denen man sonst geglaubt, man verstünde sie von selbst.»

Der junge Stellvertreter kommt damals zum Schluss, dass nicht das Lernen an sich, sondern die Entwicklung des Charakters und Bildung desselben die höchsten anzustrebenden Ziele seien. Dieser Überzeugung bleibt er stets treu.

Skizze von Albert Anker

Nach dieser ersten praktischen Begegnung mit dem Schulwesen ebbt Bitzius' Interesse an pädagogischen Fragen – seien diese nun von theoretischer oder praktischer Natur – bis zu seinem Tode im Jahre 1854 niemals ab. Dabei gerät er immer wieder in Konflikt mit dem Erziehungsdepartement, den lokalen Behörden und Autoritäten in der Schulpolitik wie beispielsweise mit Philipp Emanuel von Fellenberg.    

In seiner Selbstbiographie schreibt Bitzius: «Damals (nach der Regeneration) war der Kanton Bern der Schauplatz verschiedenartigster Kriege, unter welchen doch keiner mit der Erbitterung geführt wurde wie der pädagogische.» Er sei «einigermassen in diese Kriege verflochten» worden und habe dabei «mehr als eine Lanze mit Herrn Fellenberg» gebrochen.

Folgende Daten verdeutlichen seine lebhafte Anteilnahme an der Verbesserung der bernischen Schulen.

Während seiner Vikariatszeit in Utzenstorf (bis 1824) hilft Bitzius regelmässig dem Schulmeister im Dorf aus.

1828: Bitzius, inzwischen Pfarrvikar in Herzogenbuchsee, unterbreitet dem Bernischen Kirchenrat Reformvorschläge für das Schulwesen.

1829: «Bollodinger Schulstreit»: Bitzius gerät in Konflikt mit dem Oberamtmann von Effinger in Wangen. Die Ursache ist sein Engagement für den Schulmeister Johannes Steiger, dem zufolge einer Schulteilung der Lohn gekürzt werden soll. Bitzius wehrt sich gegen diese Ungerechtigkeit, aber ohne Erfolg – und er soll gar nach Amsoldingen zwangsversetzt werden! Bitzius setzt aber alle Hebel in Bewegung, um die Versetzung rückgängig zu machen; und wirklich, innerhalb einer Woche wird das Verdikt widerrufen und umgewandelt in eine Beförderung als Vikar an die Heiliggeistkirche in Bern.

1832: Bitzius wird in die Grosse Landschulkommission gewählt, die ein neues Schulgesetz für den Staat Bern erarbeiten soll.

1834-1836 wirkt Bitzius als Lehrer für Schweizergeschichte an den staatlichen Lehrerfortbildungskursen in Burgdorf.    

1835-1845 fungiert er als Schulkommissär des Kommissariatskreises Lützelflüh, zu dem die Gemeinden Hasle, Oberburg, Rüegsau und Lützelflüh gehören; 1845 erfolgt seine Absetzung durch das Erziehungsdepartement – an seine Stelle trat ein junger Vikar aus Oberburg.    

1838-39: Veröffentlichung von «Leiden und Freuden eines Schulmeisters» (Band 1 und 2).    

1849 verfasst er eine Eingabe zum geplanten neuen Schulgesetz im Namen der Gemeinde Lützelflüh an den Grossen Rat.    


Autor: Markus Hofer; Quellen/Literatur: Mahlmann-Bauer, Barbara et al. (Hg.): Jeremias Gotthelf und die Schule. Katalog zur Ausstellung in der Gotthelf-Stube in Lützelflüh 2009. Bern: 2009.



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