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Umfangreiches Werk, vielfältige Themen, ewige Wahrheiten

«Ich bin geboren in der Gemeinde Unverstand in einem Jahr, welches man nicht zählte nach Christus.»

Mit diesem machtvollen Aufschrei beginnt Gotthelfs erster Roman. Und damit ist bereits im allerersten Satz seines ersten Romans die Grundmelodie des ganzen schriftstellerischen Werks angespielt: Unverstand der Gemeinschaft, der das Verständnis und das Mitgefühl für die Menschen abgeht, sich lieblos und dumm verhält – und eine Zeit, die Gott vergessen hat, in welcher der christliche Sinne dem weltlichen Denken gewichen ist.

«So kam ich zum Schreiben ohne alle Vorbereitung und ohne daran zu denken, eigentlich Schriftsteller zu werden», schreibt Gotthelf selbst.

1837 (Neufassung 1839)

Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst beschrieben
Der Bauernspiegel gilt als der erste Roman des deutschen Realismus und entsteht innerhalb von wenigen Wochen. In der Ich-Form beschreibt darin Mias (Jeremias) das schwere Schicksal eines Verdingbuben. Obschon vorerst von mehreren Verlagen abgelehnt, erlebt der Roman grossen Erfolg und wird schon zu Lebzeiten des Verfassers dreimal aufgelegt!

Vorerst bleibt auch der schriftstellerische Deckname unangetastet, die wahre Identität des Autors unbekannt. Später bleibt Albert Bitzius bei seinem Pseudonym Jeremias Gotthelf.

1838-39

Leiden und Freuden eines Schulmeisters

Leiden und Freuden eines Schulmeisters
Mit dem Berner Schulwesen liegt es im Argen: Klassenzimmer mit über 100 Kindern, ungeheizte Schulhäuser, langweiliger Drill durch schlecht oder kaum ausgebildete Lehrer, mangelnde Einsicht in die Notwendigkeit der Schule, fehlende Lehrpläne… dies alles ist Anlass und Thema des 2. Romans Gotthelfs, worin Erfahrungen aus seiner zehnjährigen Tätigkeit als Schulkommissär einfliessen.

Das zweibändige Werk – wiederum in der Ichform – erzählt die Geschichte des notleidenden Schulmeisters Peter Käser von Gytiwil (!) und ist einer der schönsten pädagogischen Romane der deutschen Literatur.

1841

Uli der Knecht

Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute (Entwicklungsroman)
In diesem Bildungsroman beschreibt Gotthelf den Weg des unzuverlässigen und pflichtvergessenen Knechts Uli zum genügsamen und fleissigen Meisterknecht. Zwar schlägt er immer wieder die Ermahnungen des väterlichen Meisters, des Bodenbauers, in den Wind, aber allmählich findet er doch auf den Weg der Rechtschaffenheit. Er besteht innere und äussere Prüfungen und wird schliesslich zum gottesfürchtigen Mann, der mit dem rechtschaffenen Vreneli, einem unehelichen Mädchen, eine Familie gründen kann und so sein Glück findet.

1843-44

 

Geld und Geist oder Die Versöhnung
Geld, Geiz und Gewinnsucht stehen im Zentrum dieses Romans: Auf dem Emmentaler Liebiwyl-Hof gerät das Leben aus den Fugen, nachdem der besonnene Bauer sich zur Spekulation mit Mündelgeldern hat überreden lassen.
Die Eheleute Christen und Änneli leben im Streit, auch die Kinder Resli, Christeli und Annelisi leiden unter der unerfreulichen Situation – erst nach einem Predigt-Besuch an Pfingsten wird  eine Versöhnung möglich. Gotthelf nimmt ein Thema auf, das auch heute durchaus noch seine Brisanz hat!

Anne Bäbi Jowäger und Herr Ersau

Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht
Die Berner Sanitätskommission bittet Gotthelf im Januar 1843, eine volkstümliche Schrift gegen das Kurpfuscherwesen zu verfassen – statt einer knappen Aufklärungsschrift entsteht ein zweibändiger Roman!

Der Herr Esau, erst 1922 posthum veröffentlicht

1846

 

Der Geltstag oder Die Wirtschaft nach der neuen Mode

1846-47

 

Jakobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz

1847

 

Käthi, die Grossmutter oder Der wahre Weg durch jede Not

1849

Uli der Pächter

Uli der Pächter
Fortsetzung des Romans Uli der Knecht. In der Zwischenzeit ist Uli, der ehemalige Knecht, als Pächter eigenständiger Bauer auf der Glungge geworden. Er ist mit Vreneli verheiratet, und die zwei haben eine Tochter. Als Bauer erlebt er gute und schlechte Tage, doch seine Frau bewahrt ihn vor dem Abgleiten in ungerechtes Handeln und gedankenloses Gewinnstreben.
Nach dem Tod von Joggeli, dem Besitzer der Glungge, soll der Hof verkauft werden. Doch den beiden fehlt das Geld. In der Not erscheint, wie ein Deus ex Machina, der Hagelhans aus dem Blitzloch und ersteigert die Glungge – und gibt sich als der bisher unbekannte Vater von Vreneli zu erkennen.

1850

Die Käserei in der Vehfreude

Die Käserei in der Vehfreude
Die «Käserei» gehört zu Gotthelfs Spätwerken: An sich sollten die Vehfreudiger ein neues Schulhaus bauen, so hat es auch die Regierung befohlen. Aber an der Versammlung entscheiden sich die Männer für eine Käserei – weil es Mode ist, und weil Käsereien Geld verheissen. Der Roman berichtet, wie es den Vehfreudigern ergeht, da sie natürlich, auf eigenen Vorteil bedacht, bald einmal die Milch mit Wasser «panschen»… der Käse den Qualitätsanforderungen der Käsehändler nicht genügt und sie sich damit zum Gespött machen.
Die Geschichte ist zudem mit einer herzlichen Liebesgeschichte unterlegt, sie kommt humorvoll daher, ja fast slapstick-artig; es geht (auch) um den Kampf der Geschlechter, um Aberglaube und Zeitgeist – die «Käserei» ist so eines der populärsten Werke Gotthelfs. Mit zum Erfolg beigetragen haben auch die «action-reiche» Verfilmung von Franz Schnyder – und 2011 hat sie Charles Lewinsky gar zu einem schwungvollen Musical für die Thunersee-Spiele umgesetzt.

1851-52

Zeitgeist und Berner Geist

Zeitgeist und Berner Geist

1854

 

Erlebnisse eines Schuldenbauers

1922    

 

Der Herr Esau (1844), posthum veröffentlicht

Autor: Werner Eichenberger; Quellen: Bruno Boesch/Karl Fehr «Deutsche Literaraturgeschichte in Grundzügen», Francke Verlag Bern und München; Walter Muschg «Jeremias Gotthelf – Eine Einführung in seine Werke», Francke Verlag Bern und München; Website der Uni Karlsruhe; Wikipedia

Holzschnitt Emil Zbinden