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Transparenter Kubus mit bescheidenem Auftreten

Transparent und kompromisslos, aktuell und zweckmässig: So präsentiert sich der Anbau des Gotthelf Zentrums, welcher die gesamte Museums-Infrastruktur enthält. Der Kubus in seiner modernen Gestaltung grenzt sich deutlich von der bestehenden Architektur der umgebenden Gebäude ab und bringt damit klar zum Ausdruck: Ich bin ein Kind des 21. Jahrhunderts.
 
Entworfen hat den Anbau der Lützelflüher Architekt Reto Gsell. Er verzichtet dabei bewusst und konsequent darauf, «pseudo-historische« Formen der umgebenden Gebäude zu übernehmen. Zudem nimmt der Anbau gewissermassen Abstand von der originalen Rückfassade des Pfarrhauses – sie bleibt von aussen durch die Glaswand und auch von innen sichtbar.    

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Der Plan des Architekten…    

               ...und die Wirklichkeit.    
 

Eine weitere Idee hinter dem Anbau: Mit der Auslagerung der gesamten Museums-Infrastruktur (Archiv, Technik- und Lagerraum, Kasse und Bistro Bitzius, Garderoben und WC sowie Verwaltungsräume) kann die bestehenden Bausubstanz des alten Pfarrhauses weitgehend unangetastet bleiben – letztlich werden nur das ehemalige Treppenhaus um 90 Grad gedreht und in der Nord-Fassade bestehende Fenster zu Türen für den Lift vergrössert.

«Der spektakulärste Glaslift des ganzen Emmentals» befindet sich im Gotthelf Zentrum Emmental Lützelflüh: Dies sagte Stiftungsratspräsident Christoph Pappa in einem Referat – sicher nicht zu Unrecht.    

Die ungewohnte Lösung für den Liftbau ermöglicht überhaupt erst die (behindertengerechte) Erschliessung des Gotthelf Saals im Dachgeschoss – und kommt zudem ebenfalls ohne Eingriffe in die Bausubstand des Pfarrhauses aus.

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Der Denkmalpfleger begleitet das ganze Projekt sehr eng, von der Planung bis in die Bauphase. Das mutige Konzept des gesamten Anbaus überzeugt auch ihn. Eine Zeichnung von Alphons von Greyerz aus dem Jahre 1852 spielt dabei eine nicht unwichtigen Rolle: Der Onkel des späteren Mundartforschers Otto von Greyerz besuchte zusammen mit seinem Bruder auf einer Emmental-Wanderung auch Pfarrer Bitzius in Lützelflüh.

Er dokumentierte die Wanderung mit vielen Zeichnungen, darunter auch mit einer Skizze von Kirche und Pfarrhaus, allerdings aus einer eher ungewohnten Perspektive, nämlich von «hinten». Auf dieser Zeichnung sieht man, dass sich zu Bitzius' Zeiten eine ganze Gruppe von Annex-Bauten hinter dem Haus befand, unter anderen auch ein «Turm», der zum Trocknen von Fleisch benutzt wurde.    

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Aber auch ein Bild aus den 1940er-Jahren, aufgenommen von der Hofseite, beweist, dass noch vor noch nicht allzu langer Zeit ein Art Schopf an das Pfarrhaus angebaut war.    

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Der Neubau nimmt sich bescheiden zurück und ordnet sich den Baukörpern des ganzen Ensembles der Pfarreigebäude unter – auch der Liftbau, der den Gerschild nicht überragt, fällt aus der Distanz kaum auf.

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Eindrücklich präsentiert sich der Anbau bei Nacht!


Autor: Werner Eichenberger; Quelle: Reto Gsell, «Bericht des Architekten» anlässlich der Medienkonferenz zur Eröffnung des GZEL; Zeichnung Alphons von Greyerz aus Burgdorfer Jahrbuch Jahrgang 54, 1987; Schwarzweiss-Foto Pfarrhaus aus Berner Heimatbuch «Jeremias Gotthelf», 1943; Nachtaufnahme Anbau:Markus Beyeler, Bern.

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